Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

07.09.18

baugenehmigung-gartenhaus

Was muss man bei einer Genehmigung eines Gartenhauses beachten?

Es könnte so einfach sein: Ein beliebiges Gartenhaus oder ein Gerätehaus am Wunschort im heimischen Garten oder in der Kleingartenkolonie aufstellen und das Leben unbeschwert genießen - wenn da nur nicht das Thema Baugenehmigung wäre. Wer hier das öffentliche Baurecht ignoriert, riskiert eine Anordnung zum Rückbau. Ein Ärgernis, wenn man zuvor viel Arbeit und Freude in die Errichtung gesteckt hat.

Die entscheidenden Faktoren

Eine einheitliche Regelung zur Baugenehmigungspflicht für Gartenhäuser gibt es nicht. Dafür gibt es eine Reihe an Faktoren, von der es abhängt, ob Sie eine benötigen. Stellen Sie sich bereits vor dem Kauf folgende Fragen:

  • Wo wird mein Gartenhaus aufgestellt?
  • Welche Größe soll das Gartenhaus haben?
  • Wie möchte ich mein Gartenhaus nutzen und wie wird es eingerichtet?
  • Je detaillierter Sie sich diese Fragen beantworten können, desto weniger Missverständnisse und Fehler und Verzögerungen entstehen.

Unterschiedliche Regelungen der Bundesländer

Die Frage nach dem Ort ist zunächst allgemein zu stellen. Es kommt nämlich darauf an, in welchem Bundesland Sie Ihr Gartenhaus errichten möchten. Hier liefern die unterschiedlichen Bauordnungen der Bundesländer die Antwort, ob und wann eine Genehmigung benötigt wird oder nicht. In Hessen brauchen Gebäude ohne Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten bis 30 m³ Brutto-Rauminhalt keine Baugenehmigung, wenn sie weder dem Verkauf noch der Ausstellung dienen. In Nordrhein-Westfalen brauchen Gebäude ohne Aufenthaltsräume, Ställe, Toiletten oder Feuerstätten bis 75 m³ Brutto-Rauminhalt keine Baugenehmigung. Im Außenbereich gilt das nur für Gebäude, die einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb dienen und weder dem Verkauf noch der Ausstellung dienen. Bayern stellt Gebäude bis 75 m³ Brutto-Rauminhalt frei, im Außenbereich nur Gebäude ohne Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten bis 20 m³ ohne Verkauf oder Ausstellung. In Baden-Württemberg gelten im Innenbereich 40 m³ und im Außenbereich 20 m³ Brutto-Rauminhalt, ebenfalls ohne Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten und ohne Verkauf oder Ausstellung. Innenbereich nach § 34 BauGB ist dort, wo ein „Zusammenhang bebauter Ortsteile“ besteht. Als Feuerstätte gilt ein ortsfest genutzter Ofen oder Kamin, in dem Brennstoff verbrannt wird, nicht jedoch eine elektrische Heizung. Die übrigen Länder haben eigene Grenzen etwa von 10 m² Grundfläche bis 75 m³ Brutto-Rauminhalt. Verbindlich Auskunft gibt das zuständige Bauamt, Stand Oktober 2026. Letztendlich bedeuten diese Regelungen nur, dass der Bau entsprechender Gartenhäuser ohne Baugenehmigung möglich ist. Alle weiteren Bauvorschriften, wie etwa Festsetzungen im Bebauungsplan, Abstandsflächen oder Bestimmungen von Städten und Gemeinden, dürfen nicht im Konflikt mit Ihrem Vorhaben stehen. In einigen Baugebieten könnte die Errichtung von Gartenhäusern somit eingeschränkt oder sogar generell unerwünscht sein. Möchten Sie Ihr Gartenhaus beheizen, ist eine Errichtung an der Grundstücksgrenze untersagt - hier müssen Sie die entsprechenden Regelungen, die häufig drei Meter Abstand fordern, unbedingt beachten. Auch wenn Ihr genehmigungsfreies Gartenhaus allen Richtlinien und Bauvorschriften nachkommt, empfehlen wir Ihnen, sich mit Ihren Nachbarn abzusprechen - insbesondere dann, wenn es an der Grundstücksgrenze errichtet werden soll. Dies erspart Ihnen unter Umständen langjährige Streitigkeiten.

Gartenhäuser in Kleingartenkolonien

Soll Ihr Gartenhaus in einem Schrebergarten errichtet werden, sind die Größenordnungen im Bundeskleingartengesetz geregelt. Danach darf eine Laube im Kleingarten höchstens 24 m² Grundfläche einschließlich überdachtem Freisitz haben. Ob eine Baugenehmigung nötig ist, regelt die Landesbauordnung. Viele Länder stellen Gartenlauben in Kleingartenanlagen verfahrensfrei. Lediglich ein Gartenhaus je Parzelle ist erlaubt, welches zudem nicht für ein dauerhaftes Wohnen konstruiert sein darf. Dies bedeutet allerdings nicht, dass es in der Ferienzeit oder am Wochenende verboten wäre, gelegentlich darin zu übernachten.

Wo erhalte ich eine Genehmigung für ein Gartenhaus?

Den Bauantrag stellen Sie bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde. Mit dem Bauantrag reichen Sie alle Unterlagen ein, die das Bauamt zur Prüfung braucht: die Bauvorlagen. Die Landesbauordnung regelt, welche Bauvorlagen mit Angaben zu Materialien, Aufstellort und Größe nötig sind und wer sie unterschreibt. Vor der Bewilligung ist eventuell eine lokale Besichtigung nötig. Ihre Angaben im Antrag sollten also unbedingt den Gegebenheiten vor Ort entsprechen. Unrichtige Angaben können ansonsten zum Entzug der Baugenehmigung führen oder im schlimmsten Fall Ärger mit der Versicherung bedeuten, sollte es zu einem relevanten Zwischenfall kommen. Vermeiden Sie daher alle Schwierigkeiten, indem Sie die Planungen für Ihr Gartenhaus ganz nach den Vorgaben der örtlichen Bestimmungen durchführen. Genaue Informationen darüber erhalten Sie bei Ihrer zuständigen Baubehörde. Wir raten Ihnen grundsätzlich davon ab, das Thema Genehmigung zu vernachlässigen und ein Gartenhaus völlig ohne jegliche Rücksprache mit den Behörden oder Nachbarn zu errichten.

Titelfoto: Adobe Stock #37678041

Support